Kletter- und Boofenwochenende im Elbsandstein (21./22.09.2002)

Nach kurzer Nacht (Kulturabend, Theater: Natan der Weise) purzelten wir früh aus dem Bett, schnallten müde unsere Rucksäcke auf den Buckel und stiefelten zum Bahnhof. Auf dem Zettel mit der Reiseverbindung, welchen wir uns am Vortag ausgedruckt hatten, stand noch das uns ein Schienenersatzverkehr wegen den Hochwasserschäden im Elbtal erwartet. Vom Zugpersonal wurden wir jedoch freudig überrascht, als es uns mitteilte, dass unser Zug wieder durchfährt und wir ohne Umsteigen den Kurort Rathen erreichen werden.
Dem Ziel näher zogen dann auch die Dörfer am Fenster unseres Zuges vorbei die vom Hochwasser betroffen waren und wir schauten immer wieder auf Häuser in denen die untere Etage ausgeräumt war, abgerissene Lauben und viele Menschen, die am Schuften waren. Wir bemerkten schnell das hier kaum jemand den Kopf in den Sand gesteckt hat, sondern jeder anpackt wo es geht.

In Rathen angekommen, machten wir uns in Richtung Rauenstein auf und erreichten ihn mit Blick zu den Kletteren auf der Nonne. An einer großen Boofe packten wir dann unseren Kletterführer aus und fanden ein Zeil für den ersten Felskontakt, die Khedive. So schlichen wir an den Felsformationen des Rauensteins entlang und schauten dem einen oder anderen bei seiner Kletterei zu. Dann standen wir vor der Khedive und prüften erstmal das Gestein, denn es war noch nicht ganz trocken, wobei wir beide befanden das wir es hier erstmal probieren wollen.Alex auf der Khedive

Für Alexandra sollte es das erste Mal am natürlichen Fels sein, für mich das erste Mal das ich einen sächsischen Vorstieg mache. Das ist schon etwas anders als an unseren künstlichen Hausfelsen oder dem harten Gestein anderer Gegenden. So war ganz klar das wir uns gaaaaaanz langsam an die Sicherung mit Schlingen und Knoten herantasten würden und es erstmal mir dem Alten Weg versuchten, den wir schnell meisterten und begeistert auf dem Gipfel standen.
Wir schauten in das schöne Tal und nach dem Eintrag ins Gipfelbuch wurde sofort entschieden, noch eine andere Route dranzuhängen. So wurde der Kletterführer gewälzt und der NW-Kamin als nächste auf der KhediveHerausforderung auserkoren. Mit einiger Quälerei kamen wir auch durch diese Route. Wir waren aber beide der Meinung das wir Kamine nicht mögen, denn es war wirklich keine schöne Kletterei die wir da hinlegten, eher ein hochstemmen, drücken, ziehen, spreizen und wieder drücken. Doch wir erreichten auch über diesen Weg den Gipfel. Zwei andere Kletterer die ebenfalls an der Khedive kletterten, empfohlen uns den Talweg, da er schön und gut abzusichern sei. Wir überlegten kurz ob die Route für uns zu schwierig sein könnte, schauten sie von unten an und waren der Meinung das auch diese zu schaffen sei. So bunden wir uns ins Seil ein und mit kurzem Nicken und wenigen Worten begann ich die ersten Meter aufzusteigen und war überrascht, denn die Kletterei war nicht zu schwer und richtig schön. Hin und wieder harrte ich aus, genoss die Aussicht ins Tal, schaute nach unten zu den letzten Sicherungen und den Absätzen dazwischen und wunderte mich so gelassen zu sein. Irgendwann war die Rinne zu Ende und nun sollte es die gerade Wand hinaufgehen. Für die Gesundheit und vor allem für die Psyche legte ich noch einige Schlinge um die große Sanduhr und nach wenigen Griffen war der Gipfel erreicht. Alex seilt ab
Als Alexandra aufstieg, ging ich im Gedanken die Route mit und versuchte an Hand des Seildurchlaufs zu erraten wo sie gerade ist und wie sie die Stelle bewältigen wird. Dann hörte ich das nahe Klimpern der Karabiner und wusste, nun ist sie auch an der geraden Wand vor dem Ausstieg und mit einem Lächeln kam sie hinter Felskante zum Vorschein und wir wünschten uns Berg Heil. Es war eine richtige Genußkletterei und wir haben beschlossen, wenn wir wieder in der Gegend sind, machen wir diese Route sicher wieder

Nun fing es aber an zu tröpfeln und die Zeit rannte uns davon, denn wir wollten ja noch eine schöne Boofe suchen.
Irgendwie suchten wir wohl nicht an der richtigen Stelle und so wurde eine kleine Wanderung daraus.

Wir hatten aber auch große Ansprüche... Schön sollte sie sein, trocken, abgelegen und ruhig... Wir wanderten dann in Richtung große Boofe am Rauenstein und kurz vor dem Gasthaus machten wir eine kleine Erkundungstour, ließen unsere Rucksäcke stehen und gingen über ein breites Band den Fels entlang und wurden fündig. Die Rucksäcke waren schnell über das Band jongliert und wir berachteten unsere Boofe, mit einem kleinen Riß nach oben. Die Boofe wäre auch bei Regen trocken gewesen und war schön abgelegen und zugleich nah am Weg. So wurde schnell das Nachtlager bereitet und noch zum Abendessen einige Brötchen aufgeschnitten. Feuer machten wir erst garnicht an, denn wir finden das muss nicht sein, es gibt bloß blöde, schwarze Spuren am Stein und man stinkt danach eh wie verrückt. So klemmten wir ein Knicklicht in den Fels und versuchten einzuschlafen, was uns aber nicht so recht gelang. Denn irgendetwas schob uns und wir rutschten immer wieder in Richtung Abhang. Nein, es war nicht der abschüssige Boden, es war ein Boofenbilch! Auch unsere Verpflegung, so glauben wir, wurde vom Bilch verkleinert.

Am nächsten Morgen waren wir vom Wetter nicht besonders begeistert. Es fing immer mal wieder an zu Tröpfeln. Wir berieten erstmal abzuwarten und zur Nonne zu gehen, um uns dort die Routen anzuschauen. Da uns dort kalt wurde, entschlossen wir noch einmal zum Gasthaus aufzusteigen damit Alex einen Tee und ich einen Kaffee genießen kann und ich dazu komme meine Kontaktlinsen einzusetzen. Aus dem Kaffee und dem Tee wurde auch was, aber da wir den Himmel am Horizont aufklaren sahen, wollten wir schnell zur Nonne zurück und ich vergaß das Einsetzen der Linsen. Dies holte ich dann mit einigen Schwierigkeiten und mineralwassergespühlten Händen an der Nonne nach.

Schnell wurde das Kletterzeug angelegt, eine fremde Familie begrüßt und dann war ich völlig verdattert und stammelte zu Alexandrea “ach das gibts doch gar nicht, schau mal wer da ist...” Ein Kletterer den wir oft an unserem künstlichen Hausfelsen in Berlin getroffen haben kam um die Ecke. Er hatte sich mit der unbekannten Familie verabredet und war selber mit Frau und Kindern angereist. Nach einer kurzen Begrüßung gingen wir dann den AW der Nonne zum Gipfel. Leider fing es, als ich Alex am Seil hatte an zu Regnen und wir freuten uns auf dem Gipfel, aber auch wieder unten zu sein. Das Wetter wollte uns einen Strich durch die Rechnung machen.An der Nonne

Wir machten noch eine Wanderung durch die Berge, denn eine Kletterei wäre bei dem schlechten Wetter nicht schön gewesen und der Fels wurde zu nass.

Am Rauenstein und Dreifreudestein gingen wir entlang und machten uns über den Rundweg zurück nach Rathen. Am Bahnhof trafen wir dann wieder unsere Familie aus Berlin und fuhren gemeinsam in Richtung Heimat.

Auf jeden Fall kommen wir wieder und hoffen auf besseres Wetter.

Grüße noch an Rüdiger und Anna, die wir auf Grund des schlechten Wetters nicht zum Klettern getroffen haben.... Ganz bestimmt.... ein anderes Mal...

 

Auf der Nonne
Wanderung um den Rauenstein
Abseilen von der Nonne
Abseilen von der Nonne